Bettelverbot wird verschärft – ein trauriger Tag für Oberösterreich

Bettellobby Oberösterreich wird den Betroffenen auch weiter eine Stimme geben dig this.
Die Stadt Salzburg zeigt, dass es auch anders geht und schafft eine Basisversorgung für Armutsreisende. Zudem einen Verhaltenskodex und – was in Oberösterreich bis heute verweigert wird – eine direkte Ansprechperson für die Betroffenen.

Heute wird der Landtag mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ die Verschärfungen des Bettelverbotes beschließen. Trotz der Proteste von Sozial- und Hilfsorganisationen und dem Widerstand aus der Zivilgesellschaft wird nun „gewerbliches Betteln“ untersagt und den Gemeinden eine weitreichende Handhabe gegeben, um das Betteln im öffentlichen Raum nach Belieben zu unterbinden.

Da die Betroffenen keine Chance haben, nicht als „organisiert“ oder „gewerblich“ zu gelten, kommt die Gesetzesänderung einem totalen Bettelverbot für die Armutsreisenden aus Mittel- und Osteuropa gleich. Die Argumentationslinie „anständige“ BettlerInnen schützen zu wollen, kann man angesichts dessen nur als zynisch bezeichnen. Dieses Gesetz kann daher nur als unvernünftig, unsozial und unchristlich bezeichnet werden.

Der offene Brief, der stellvertretend für alle politisch Verantwortlichen an LH Pühringer, LHStv. Entholzer und Bgm. Luger geschickt wurde und bis heute von mehr als 50 Organisationen und 400 Einzelpersonen unterschrieben wurde, blieb bis zum Zeitpunkt dieser Aussendung unbeantwortet. Doch der offensichtliche Plan, das Thema vor dem kommenden Wahljahr vom Tisch zu bekommen, wird nicht aufgehen.

Gestärkt durch die vielfältige Unterstützung wird die Bettellobby Oberösterreich als eine von vielen Initiativen weiter gegen die Bettelgesetzgebung mobil machen, Aufklärungsarbeit leisten und die Auswirkungen penibel dokumentieren. Wir werden den Betroffenen noch stärker als bisher eine Stimme geben und die Politik auch in Zukunft damit konfrontieren.

Offener Brief an LH Josef Pühringer, LH-Stv. Reinhold Entholzer und Bgm. Klaus Luger

OFFENER BRIEF
an
Landeshauptmann Josef Pühringer
Landeshauptmann-Stv. Reinhold Entholzer
Bürgermeister KlausLuger

Linz, am 27.6.14

Sehr geehrte Herren!

Am 3. Juli wird der oberösterreichische Landtag voraussichtlich eine Verschärfung des bestehenden Bettelverbots beschließen. Auf sozialpolitische Herausforderungen wird einmal mehr mit ordnungspolitischen Maßnahmen reagiert.

Wir halten das für falsch und lehnen eine solche Vorgehensweise daher ab.

Die Ausweitung des Bettelverbots auf sogenanntes „gewerbliches“ Betteln, dessen Definition schon höchst problematisch ist, richtet sich gezielt gegen ost- und mitteleuropäische Armutsreisende, die das Bild einer heilen Konsumwelt stören mögen, aber letztlich nur aus Verzweiflung und mangelnden Alternativen so handeln. Die Unterscheidung zwischen „anständigen“ und „organisierten“ BettlerInnen verkennt die Natur des Bettelns. Denn gebettelt wird aus Not und nicht aus Spaß oder weil es so lukrativ wäre.

Wir sprechen uns hiermit einmal mehr gegen jegliche Bettelverbote aus. Zur Bekämpfung unterstellter negativer Begleiterscheinungen, wie Ausbeutung oder Aggression gibt es bereits ausreichend gesetzliche Handhabe.

Mindestens so viel Unbehagen bereitet uns aber auch, wie die Kampagne eines Kleinformats die Politik erfolgreich vor sich hertreiben kann. Es ist höchst bedenklich, wenn bettelnde Menschen durch ein Zusammenspiel von Medien und Politik zum Feindbild erklärt, als kriminelle Banden diffamiert und gleichzeitig die sozialen Hintergründe des Bettelns ausgeblendet werden.

Das Ergebnis ist eine gesellschaftspolitische Schande für Oberösterreich und das Zustandekommen dieser Entscheidung als höchst problematische Anlassgesetzgebung unter massivem Zeitdruck ohne gründliche Debatte und Einbeziehung von ExpertInnen ein Armutszeugnis für die Landespolitik.

Deshalb haben wir, untenstehende UnterzeichnerInnen, uns dazu entschlossen diesen offenen Brief mit einem Appell für Vernunft und Menschlichkeit zu veröffentlichen.

Wir appellieren an alle Beteiligten mit dem Thema Betteln in einer fairen und sensiblen Weise umzugehen und auf menschenunwürdige und hetzerische Darstellungen zu verzichten.

Wir appellieren an die Medien auf verkürzte, einseitige und unwahre, von Vorurteilen geleitete, Berichte zu verzichten, die beispielsweise bettelnde Menschen in die Nähe von kriminellen Vereinigungen rücken und verlangen eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Wir appellieren an die Politik, nicht Ressentiments zu schüren, sondern in Anknüpfung an soziale und christliche Ansprüche in verantwortungsvoller Weise, für ein friedliches und gedeihliches Zusammenleben zu sorgen und ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen, indem eine grundlegende Unterstützung für Notleidende angeboten wird, egal woher sie kommen.

Es ist Zeit einen neuen Weg zu beschreiten. Stellen wir uns den Herausforderungen, ziehen wir alle zu Rate, die sich mit dem Thema auskennen und entwickeln wir gemeinsam Lösungen.

Mit freundlichen Grüßen und in Erwartung einer baldigen Antwort,
die UnterzeichnerInnen:

Initiativen (45, Stand 14.10.2014)

AKS Linz
Aktionsgemeinschaft Social Impact
Autonomes Frauenzentrum Linz
Backlab Collective
bb15
Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
Die Grünen Linz
Die Werft
Evangelische Stadtdiakonie Linz
FIFTITU%
Franziskanerinnen von Vöcklabruck
Gewerkschaftlicher Linksblock OÖ
GPA-djp Jugend Oberösterreich
Grüne Bildungswerkstatt Bund
Initiative kritischer Studierender Linz
junQ.at
KAPU
KJÖ Oberösterreich
KPÖ-Oberösterreich
KSV Linz
Kulturverein Kino Ebensee
KUPF Kulturplattform OÖ
KV Willy
Oberösterreichischer Landesverband des KZ-Verbands
OÖ Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus
Original Linzer Worte
Otelo Linz
Pangea – Interkulturelle Medienwerkstatt
Pax Christi Oö – Ökumenische Friedensgruppe
pH2 – Kultur zu Lande, im Wasser und in der Luft
Programmkino Wels
qujOchÖ
Radio FRO
Rote Falken Österreich
SOS Menschenrechte
Sozialistische Jugend Linz
Sozialistische Jugend Oberösterreich
Urbanfarm Leonding
Verein „Frauen aus allen Ländern“
Verein das holzhaus
Verein Ketani für Sinti und Roma
Vinzenzstüberl der Barmherzigen Schwestern Linz
Vorstand der Volkshilfe Oberösterreich
Vorstand des Linzer Frauenhauses
Zentrum der zeitgemäßen Initiativen (ZZI)

Einzelpersonen (403, Stand 14.10.2014)

Agnes Hinterplattner
Agnes U. Leo Mikesch
Albert Langanke
Albuin Planer
Alexander Vojvoda
Alexandra Schmid
Alfred Edlinger
Alina Kugler
Alois Doppler
Alois G. Auinger
Amel Andeßner
Andi Ehrenberger
Andi Wahl
Andrea Gschwendtner
Andrea Kohler
Andrea Quatember
Andreas Augl
Andreas Durst
Andreas Haslauer
Andreas Kurz
Andreas Peterlechner
Andreas Reichl
Andreas Streinzer
Andreas Wipplinger
Angelika Eckerstorfer-Gumpenberger
Anja Baum
Anna Gruber
Anna Svec
Anna Wall-Strasser
Annamaria Trübswasser
Armin Kraml
Armin Lehner
Ba Gisela Dattenböck
Ba Jürgen Stolzlechner
Bahar Demirbilek
Barbara Duller
Barbara Finkenstädt
Barbara Földesi
Barbara Meißnitzer
Barbara Rodinger
Beatrix H
Benjamin Dianat
Bereiter Kathrin
Bereiter Vanja
Bereiter Yannick
Bernhard Jenny
Bernhard Mühleder
Bettina Csoka
Bettina Schinninger
Bma Bianca Inel
Carlos Anglberger
Carmen Kagerer
Carmen Köck
Chris Tine
Christian Buchinger
Christian Haselmayr
Christian Panzenböck-Neubauer
Christian Pichler
Christina Götschhofer
Christine Pfurtscheller
Christine Schacht
Christoph Ebner
Christoph Fürst
Christoph Srubar
Claudia Dworschak
Claudia Hirnböck
Claudia Zechmeister
Claus Harringer
Claus Scheinecker
Clemens Brandstetter
Corinna Kovac
Dagmar Andree
Daniel Egger
Daniel Leonov
Daniel Schneider
Daniel Steiner
Daniel Wagner
David Lang
Denisa Husic
Dennis Tamesberger
Di Kerstin Dresing
Dietmar Peter
Dimitri Gorbunov
Dipl-Ing. Bsc Mathias Preiner
Dipl.-Ing. Siegfried Resl
Dipl.Ing. Mag.A Johanna Klement
Dominik Samassa
Dominik Thaller
Doris Barow
Doris Eisenriegler
Doris Mandel
Doris Rögner
Dorothea Gmeiner-Jahn
Dr. Barbara Tiefenbacher
Dr. Didi Bruckmayr
Dr. Heinrich Oppitz
Dr. Helmut P. Gaisbauer
Dr. Michael Girkinger
Dr. Robert Eiter
Dr. Walter Prieschl
Dr. Walter Sturm
Dr.In Andrea Jobst-Hausleithner
Dr.In Christine Stelzer-Orthofer
Dr.In Julia Müllegger
Dsa Heidi Zwettler
Dsa Selma Schacht
Dsain Silvia Ortner
Edith Rabl
Edith Schmied
Elisabeth Buchner
Elisabeth Kutschera
Elke Singer
Elysa Waltner
Erich Klinger
Erik Etschel
Erika Lachinger
Ernst Sandmayr
Familie Natschläger
Fazlic Ibro
Florian Panhölzl
Franz Achleitner
Franz Fend
Franz Koppelstätter
Friedrich Berghuber
Fritz Bader
Gabriela Küng
Gabriele Hoffmann
Georg Kaindl
Gerald Harringer
Gerald Wöss
Gerda Huber
Gerda Lenger
Gerhard Lanzerstorfer
Gerhard Petershofer
Gerhard Riegler
Gerhard Winter
Gerhard Zauner
Gerhilde Merz
Gerlinde Hatzmann
Gerlinde Schmierer
Gertraud Waller
Gertrude Pallanch
Geschf. Gr Martin Gutlederer
Gitta Martl
Günther Dachs
Günther Matula
Gunther Trübswasser
Günther Wesely
Hannelore Diaw-Rot
Hannes Mittermair
Hannes Zucali
Hans Übleis
Harald Decker
Harald Freudenthaler
Harald Grünn
Harald Ploch
Heidemarie Winkler
Heidi Obermaier
Heike Fischer
Heinz Eitenberger
Heinz Illemann
Heinz Schoibl
Heinz Zauner
Heinz-Peter Wimmer
Helene Bindl
Helene Kaltenbõck
Helga Schager
Helmut Edelmayr
Helmut Zirknitzer
Herbert Schager
Ing. Dipl-Ing. Bsc Aina Niemetz
Ingo Leindecker
Isabella Loidl
Jakob Falkinger
Jakob Weber
Jan Nausner
Jennifer Gwiasda
Johann Mittermair
Johanna Fuchsberger
Johannes Mrazek
John Sobek
Jörg Weiss
Josef Meszlenyi
Josef Zizler
Josepha Krüger
Judith Vorbach
Julia Hirschl
Julia Wakolbinger
Julius Brock
Karin Wilfingseder
Karl Fallend
Katharina Bader
Katharina Brandl
Katharina Kloibhofer
Kathrin Quatember
Katrin Baumgartner
Klaus Baumgartner
Klaus Kammerer
Kuno Haas
Leo Furtlehner
Liane Krug
Lienhard Dinkhauser
Lisa Fuchs
Lisa Leeb
Lisa Sinowatz
Lore Beck
Lukas Fasching
Ma Christian Diabl
Ma Fiona Kaiser
Ma Olivia Schütz
Mag (FH) David See
Mag. A Art. Veronika Merl
Mag. Barbara Larcher
Mag. Christian Cakl
Mag. Dr. Otto Stoik
Mag. Ekber Gercek
Mag. Günther Ziehlinger
Mag. Klaus Lehner, Pfr.I.R.
Mag. Klemens Pilsl
Mag. Manuela Loidl
Mag. Michael Schmida
Mag. Oliver Jungwirth
Mag. Oliver Peschel
Mag. Philipp Kroll
Mag. Rainer Zendron
Mag. Ralph Luger
Mag. Renate Bauer
Mag. Robert Kettl
Mag. Sandra Krampelhuber
Mag.A Andrea Winter
Mag.A Barbara Tiefenbacher
Mag.A Christine Brandstätter
Mag.A Claudia Köttner
Mag.A Claudia Zimbrich
Mag.A Elisa Roth
Mag.A Gerlinde Grünn
Mag.A José Pozo
Mag.A Karin Antlanger
Mag.A Michaela Riess
Mag.A Nicole Honeck
Mag.A Riki Müllegger
Mag.A Roswitha Kröll
Mag.A Tamara Imlinger
Mag.A Tina Ortner
Mag.A Veronika Jungwirth
Mag.A Yvonne Haider
Mag.Art. Werner Puntigam
Magª. Ursula Kolar-Hofstätter
Magdalena Reiter
Manfred Arthur Haslinger
Manfred Lüftner
Manuel
Manuel Reichetseder
Manuel Stolz
Manuela Mittermayer
Marco Pühringer
Marco Pühringer (AKS Linz)
Margit Krömer
Maria Ackwonu-Hirnschall
Maria Dietrich
Maria Oberlik
Maria Reichl
Marianne Eiselmair
Marika Schmiedt
Marina Imsirovic
Mario Kaspar
Marion Schinko
Markus Kerschhofer
Markus Luger
Markus Pühringer
Markus Strobl
Marlene Weiterschan
Martha Fleschurz
Martin Kohlberger
Martina Schönbauer
Mas Nikolaus Dürk
Mathias Grill
Mathias Haunschmidt
Matthias Reichl
Maximilian Sagmüller
Meinrad Schneckenleithner
Melissa Atilmis
Michael Falkner
Michael Fekete
Michael Fürthaller
Michael Gusenbauer
Michael Reisinger
Michael Schinninger
Michael Schweiger
Michael Svoboda
Michael Wögerer
Michaela Haunold
Miriam Ebner
Mmag. Thomas Philipp
Monika Lerchbaum
Monika Rossbacher
Monika Trübswasser
Mümtaz Karakurt
Nicole Hubert
Nicole Sevik
Nina Andree
Ottilie Eder
P.Klaus Frenes
Pamela Neuwirth
Paul Fischnaller
Paul Schubert
Pawel Kaminski
Peter Öfferlbauer
Peter Weidner
Petra Doris Hopfner
Philip Huemer
Philip Weidinger
Philipp Lindner
Philipp Stadler
Philomena Grassl
Pia Wildfellner
Raffael Schöberl
Rainer Bartel
Rainer Druckenthaner
Rainer Fehlinger
Raphael Danner
Rebekka Matula
Reinhard Ohler
Renate Lehner
Richard Schachinger
Robert Eiter
Robert Krotzer
Robert Landrichinger
Robert Zinterhof
Roman Häubl
Roman Hinterseer
Roswitha Lettner
Rudolf Danielczyk
Rudolf Nesser
Sabina Schöberl
Sabine Hofmarcher
Samuel Herzog
Sandor Aszalos
Sandra Promberger
Sara Costa
Sara Plassnig
Sarah Berger
Sarah Praschak
Severin Mayr
Sidney Lippl
Silvana Schneider
Simone Boria
Simone Streubel
Sonja Ablinger
Sophie Pigal
Stefan Fent
Stefan Hindinger
Stefan Kaineder
Stefan Kitzberger
Stefan Schobesberger
Stefan Soucek
Stephan Gründlinger
Stephan Hollogschwandtner
Susanne Cooper
Susanne Loher
Susanne Steinkellner
Svanlind Keller
Tanja Brandmayr
Teresa Wailzer
Theresa Humer
Thomas Auer
Thomas Diesenreiter
Thomas Erlach
Thomas Fatzinek
Thomas Frauscher
Thomas Madler
Thomas Pohl
Thomas Schlager
Thomas Schuster Sen.
Tina Auer
Tobias Kohlberger
Ulrike Hager
Ute Palmetshofer
Uwe Sailer
Valentin Schachinger
Vanessa Baumgärtel
Veronika Jungwirth
Veronika Moser
Veronika Rosenblattl
Walter Georg Neyder
Walter Kohl
Walter Kontur
Walter Ötsch
Werner Lechner
Wilhelm Seufer-Wasserthal
Willi Mernyi
Wlysa Waltner
Wolfgang Dorninger
Wolfgang Quatember
Zafer Demirbilek

Begleitende Presseaussendung als PDF

Der Offene Brief als PDF

Bettel-Gipfel: Es fehlen die ExpertInnen

Bettellobby OÖ fordert Einbeziehung von sozialen Hilfsdiensten und Wissenschaft

Angesichts des für Donnerstag anberaumten „Bettel-Gipfels“ der Landesregierung warnt die Bettellobby Oberösterreich vor einem weiteren ordnungspolitischen Schnellschuss und plädiert für eine nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Bettelns in Oberösterreich unter kontinuierlicher Einbeziehung von ExpertInnen aus den sozialen Hilfsorganisationen, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft.

Am Donnerstag treffen sich die Spitzen der Landespolitik mit den Statutarstädten und der Polizei, um über eine weitere Verschärfung des oberösterreichischen Polizeistrafgesetzes in Bezug auf sogenanntes „gewerbliches“ Betteln zu beraten. So begrüßenswert die politische Auseinandersetzung mit dem Thema ist, so enttäuschend ist die Art und Weise wie dies geschieht. Denn der Gipfel scheint sich lediglich um sicherheitspolitische Aspekte zu drehen, während die sozialpolitischen Herausforderungen für unsere Gesellschaft weiterhin ignorieren werden.

So wurden bislang keine Expertinnen aus den sozialen Hilfsorganisationen und der Wissenschaft eingeladen. Ohne diese Expertisen und die Erfahrungen, die zum Beispiel die Caritas im direkten Kontakt mit den Betroffenen täglich macht, ist eine Verbesserung der Lage für alle Beteiligten aber nicht zu erwarten. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass die Politik – getrieben vom Boulevard – lediglich nach einer neuen Handhabe sucht, um Armutsreisende aus den Innenstädten zu vertreiben und das Thema vor dem Wahljahr vom Tisch zu bekommen.

Eine bequeme Lösung wird es aber nicht geben. Es ist illusorisch zu glauben, dass polizeiliche Repression die Menschen davon abhalten wird, ihre Heimat zu verlassen. Denn es ist die pure Not, die sie antreibt, niemand setzt sich gerne auf die Straße und bettelt. Die Bettellobby Oberösterreich fordert daher die Landespolitik zu einer aufrichtigen und menschen- sowie grundrechtskonformen Auseinandersetzung auf, um langfristige und nachhaltige Konzepte im Umgang mit Armutsreisenden zu entwickeln.

Presseaussendung der Bettellobby Oberösterreich vom 4.6.14

Rückfragehinweis: Christian Diabl, info@bettellobby.at

Veranstaltungshinweis: 27. Mai: Betteln in Linz: Wo Armut (k)einen Platz hat?

Betteln in Linz polarisiert. Der öffentliche Raum ist Schauplatz des Geschehens und der Diskussion. Von Bettelbanden und Verboten ist die Rede. Gleichzeitig zeigen Bettelnde die Ungleichheiten in der Gesellschaft deutlich auf und rufen unterschiedliche Gefühle und Emotionen hervor. Wie geht die Stadt, wie gehen wir damit um? Hat Betteln einen Platz in unserer Gesellschaft?

gfx

Wir laden zur Podiumsdiskussion ein:

Dienstag, 27. Mai 2014, 19.00 Uhr, Pressezentrum, Altes Rathaus, Linz

Am Podium:

  • Heinz Schoibl, Autor der Salzburger Bettel-Studie
  • Alexandra Riegler-Klinger, Caritas Linz
  • Karl Pogutter, Stadtpolizei-Kommandant Linz
  • Maria Buchmayr, Landessprecherin der Grünen OÖ

Moderation:

  • Erhard Gstöttner, OÖ. Nachrichten

Eine Veranstaltung der Grünen Linz, des Klubs der Grünen im OÖ. Landtag, der Grünen 50+ Linz, der Grünen Frauen OÖ und der Grünen Bildungswerkstatt OÖ in Kooperation mit der Bettellobby OÖ und den OÖ.Nachrichten.

http://cba.fro.at/260185

Stadtwache Linz schikaniert Bettler – und die Polizei spielt mit!

Am 10. Juli wurden zwei rumänische Jugendliche am Linzer Schillerplatz von der Stadtwache angehalten. Der eine, Mihai, 14 Jahre alt und der andere, Bobi, gerade einmal 18. Ihr Vergehen: Sie haben gebettelt. Nicht aggressiv, sondern ruhig und höflich. Da Mihai aber minderjährig ist, wurde dem 18-jähigen Bobi vorgeworfen, beim Betteln „eine unmündige Person mitgeführt“ zu haben. Etwas, das nach der Bettelverordnung des Landes Oberösterreich (angeblich) verboten ist.

Die „Organe des Ordnungsdienstes“ nahmen den beiden Jugendlichen ihre Barschaft ab und tätigten einen Anruf bei der Bundespolizeidirektion. Diese verfasste nach den Angaben der Stadtwächter (ohne eigene Prüfung) eine Strafverfügung und schickte einen Beamten damit los, um sie dem straffällig gewordenen 18-jährigen auszuhändigen. 100 Euro oder 48 Stunden Ersatzfreiheitsstrafe. Dass Bobi kein Wort Deutsch spricht und gar nicht weiß wie ihm geschieht, stört nicht.

Der ganze Ablauf dauerte nicht länger als 40 Minuten. Sehr effizient, nur wurde übersehen, dass es eine völlige Fehlentscheidung war. Im Oberösterreichischen Polizeistrafgesetz heißt es nämlich: „Wer  in  aufdringlicher  oder  aggressiver  Weise,  wie  durch  Anfassen  oder  unaufgefordertes Begleiten oder Beschimpfen, um Geld oder geldwerte Sachen an einem öffentlichen Ort bettelt (…) begeht eine Verwaltungsübertretung.“ (§1a. Abs.1).

Es ist also nur „aggressives“ Betteln verboten. Das Recht auf Betteln ist durch die europäische Menschenrechtskonvention geschützt (Artikel 8). Dies stellte auch der Verfassungsgerichtshof in seinem Entscheid vom 30. 6. 2012 klar. Konkret wurde Bobi ein Verstoß gegen § 1a Abs.3 vorgeworfen: „Wer eine unmündige minderjährige Person beim Betteln im Sinn des Abs. 1, in welcher Form auch immer, mitführt, begeht eine Verwaltungsübertretung.“

Ergo: Das Mitführen „unmündiger, minderjähriger Personen“ ist nur dann verboten, wenn so gebettelt wird wie in Absatz 1 beschrieben – also mittels anfassen, beschimpfen usw.
Das hätte Bobi in einem Einspruch vorbringen können. Wenn er des Deutschen mächtig gewesen wäre und Zugang zu Rechtstexten gehabt hätte. Er wählte aber die für ihn einzig mögliche Variante, sich der Strafe zu entziehen – er tauchte unter.

Natürlich gehört dieses Bettelverbot zur Gänze weg, und natürlich gehören alle Verantwortlichen, von Stadtrat Wimmer bis Bürgermeister Dobusch, durch Sonne und Mond gewatscht. Aber bis es soweit ist, sollten die bestehenden Einspruchsmöglichkeiten genutzt werden. Dem Vernehmen nach schreiben die Leute von Radio FRO (Kirchengasse 4) für Betroffene gerne Einsprüche.

Weiter gegen jede Form von Bettelverboten

Schwammige Gesetzesbestimmungen gefährden das Recht auf „stilles Betteln“!

Der Verfassungsgerichtshof hat heute die Klage von SPÖ und Grüne gegen das vom OÖ Landtag beschlossene Bettelverbot abgewiesen. Laut VfGH ist es zulässig bestimmte Formen des Bettelns zu verbieten, wie das beim OÖ Bettelverbot der Fall ist.

Seit Bestehen des Oö. Bettelverbotes hat aber sich gezeigt, dass sich die rechtliche Situation der BettlerInnen in OÖ kurioserweise verbessert hat, denn das „stille“ Betteln, das zuvor – als Verstoß gegen das Oö. Sammlungsgesetz – regelmäßig bestraft wurde, ist nun explizit gestattet. Insofern halten wir das Oö. Polizeistrafgesetz sogar für einen Fortschritt.

Das Verbot von „aggressivem“ und „organisiertem“ Betteln ist laut VfGH verfassungskonform. Diese Verbote halten wir aufgrund ihrer schwammigen Beschreibung im Oö. Polizeistrafgesetz weiterhin als sehr problematisch. Sie können – bei strenger Auslegung – als Einladung zu einer unsachlichen und willkürlichen Gesetzesanwendung verstanden werden und so das verfassungsgemäß erlaubte Betteln einschränken.

Die Bettellobby OÖ spricht sich weiterhin für die Abschaffung aller Bettelverbote aus: Soziale Probleme können nicht durch die Kriminalisierung von armen Menschen gelöst werden. Es gilt die Armut zu bekämpfen und nicht die Armen! Sollte es im Zusammenhang mit dem Betteln zu Nötigung oder Menschenhandel kommen, gibt es dafür entsprechende Gesetze im Strafrecht.

Außerdem möchten wir bekanntgeben, dass die Bettellobby OÖ neben Organisationen aus Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien Teil des neugegründeten Netzwerks „Österreichisches Forum gegen Bettelverbote“ ist, das am 20. Juni in Graz gegründet wurde. Damit wird es in Zukunft einen noch intensiveren Austausch und eine koordinierte Zusammenarbeit regionaler Initiativen und Persönlichkeiten gegen Bettelverbote geben. Die Einbindung weiterer Bundesländer und Initiativen ist geplant.

In den kommenden Wochen wird unter www.gegenbettelverbote.at eine eigene Website mit weiterführenden Informationen zum Thema Betteln und Bettelverbote in Österreich erstellt.

Ab Herbst sind weitere Vernetzungstreffen und österreichweite Aktionen geplant.

 

Gründung des Österreichischen Forums gegen Bettelverbote

Beim 1. österr. Vernetzungstreffen von BettelverbotsgegnerInnen und Bettellobbies aus den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien wurde am 20. Juni 2012 in Graz das „Österreichische Forum gegen Bettelverbote“ gegründet.

Damit wird es in Zukunft einen noch intensiveren Austausch und eine koordinierte Zusammenarbeit regionaler Initiativen und Persönlichkeiten gegen Bettelverbote geben. Die Einbindung weiterer Bundesländer und Initiativen ist geplant. Vorrangiges Ziel des „Österreichischen Forums gegen Bettelverbote“ ist – auch in Hinsicht auf die für Herbst 2012 erwarteten Verfassungsgerichtshofurteile zu den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien – die ersatzlose Aufhebung der derzeit auf Ländergesetzen und kommunalen Verordnungen basierenden Bettelverbote. Neben gemeinsamen Forderungen des „Österreichischen Forums gegen Bettelverbote“ wird in den kommenden Wochen unter www.gegenbettelverbote.at eine eigene Website mit weiterführenden Informationen zum Thema Betteln und Bettelverbote in Österreich erstellt.

Ab Herbst sind weitere Vernetzungstreffen und österreichweite Aktionen geplant.

Lokale Gruppen:

Für Rückfragen:
Mag. Joachim Hainzl, kontakt@gegenbettelverbote.at; Tel. 0699-10390453

‎Die Forderungen

Österreichisches Forum gegen Bettelverbote – Unsere Forderungen

1. Wir fordern die ersatzlose Abschaffung von Bettelverboten.

  • Bettelverbote widersprechen aus menschen- und grundrechtlicher Perspektive dem Recht auf Privatleben, welches die Freiheit der Lebensgestaltung und Erwerbsfreiheit umfasst.
  • Betteln ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit zur Selbsthilfe. Für jene, die spenden, ist es eine Möglichkeit zur Umverteilung – freiwillig, ohne Verwaltungsaufwand, ohne staatliche Einmischung. Direkte Hilfeleistung gehört zu den selbstverständlichen sozialen Taten in einer freien Gesellschaft.
  • Sollte es im Zusammenhang mit Betteln tatsächlich zur Verletzung von Menschenrechten, Kindeswohl, zu Nötigung oder Menschenhandel kommen, sind dafür die entsprechenden Gesetze anzuwenden. Eine gesetzliche Parallelstruktur für marginalisierte Gruppen lehnen wir strikt ab.
  • „Grundrechte, die auch Minderheitenrechte sind, und damit auch Bettler/innen betreffen, unterliegen keiner demokratischen Abstimmung“

2. Wir fordern ein Ende der Kriminalisierung von bettelnden Menschen und einen differenzierten Umgang mit dem Thema Betteln.

  • Wir wenden uns gegen Verbote auf Basis moralisierender und verallgemeinernder Schuldzuweisungen und schwammigen Begriffen wie „Anstand“ oder „Schicklichkeit“.
  • Diskriminierende und rassistische Diskurse sind zu ächten, vor allem im Bereich der Politik und medialen Berichterstattung.
  • Wir verurteilen die Praxis von Politik, Exekutive und Behörden, mit der Gesetze und Vorschriften (z.B. StvO, Arbeitsrecht, Aufenthaltsrecht, Verordnungen zu Straßenmusik und Sammelwesen) willkürlich bzw. gezielt gegen bettelnde Personen eingesetzt werden.
  • Die Verknüpfung von „Betteln“ und „Sicherheit“ in Landessicherheitsgesetzen und Polizeistrafgesetzen suggeriert fälschlicherweise eine Gefahr welche von bettelnden Menschen ausginge. Die Aussage, mit Bettelverboten angeblich Bettelnde zu schützen, kann daher als lediglich vorgeschobenes Argument gewertet werden.
  • Solidarischen Handeln und Aktivitäten zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen durch bettelnde Personen (wie das Bilden von Fahrgemeinschaften u.a.) sind legitim.

3. Wir fordern einen solidarischen und respektvollen Umgang mit bettelnden Menschen.

  • Wir verurteilen jedwedes aggressives oder gewalttätiges Verhalten gegenüber bettelnden Personen.
  • Bei Übergriffen auf Bettelnde ist zivilcouragiert einzuschreiten. Dokumentieren Sie das Geschehene und melden Sie den Vorfall (Polizei, Antidiskriminierungsstelle, Österreichisches Bettelforum, …).
  • Wir fordern auch für bettelnde Personen das Angebot von Rechtsberatung und juristischem Beistand.
  • Wir unterstützen private Personen und Einrichtungen, welche Betteln in ihren Bereichen erlauben.
  • Personen, welche betteln, sind nicht auf diese Handlung zu reduzieren. Auch diese Personen haben u.a. ein Recht auf Datenschutz und Schutz ihrer Privatsphäre.
  • In Österreich betteln Menschen aus unterschiedlichsten soziokulturellen Milieus. Deshalb verwehren wir uns gegen ethnisierende und kulturalisierende Erklärungsmuster von bettelnden Menschen.

4. Wir fordern einen öffentlichen Raum, welcher für alle nutzbar und zugänglich ist.

  • Wir sind gegen die Vertreibung von bettelnden Personen von öffentlichem Grund und Einrichtungen.
  • Kein Einsatz privater Sicherheitsdienste gegenüber Bettelnden im öffentlichen Raum. Derartige bereits existierende Praktiken sind sofort einzustellen.
  • Öffentliche Mittel dürfen nicht für den Einsatz ortspolizeilicher Wachkörper zur Vertreibung bettelnder Menschen eingesetzt werden.
  • Wir treten dafür ein, dass soziale Konflikte im öffentlichen Raum (im Zusammenhang mit bettelnden Menschen und damit konfrontierten PassantInnen, AnrainerInnen etc.) wahr- und ernstgenommen werden. Zum Umgang damit sind Strategien sozialer Deeskalation (Mediation, Sozialarbeit etc.) einzusetzen und nicht ordnungspolitische Maßnahmen.

5. Wir fordern eine zukunftsorientierte, an den Grundrechten orientierte Praxis, welche sich gegen Verbote und soziale Ausgrenzung richtet.

  • Wir fordern ein Ende jener restriktiven Praktiken, welche seit mehreren Jahrhunderten beinahe unverändert gegen bettelnde Menschen eingesetzt werden.
  • Wir fordern von Politik, Behörden, Medien und Öffentlichkeit einen rassismus- und diskriminierungsfreien Umgang mit bettelnden Menschen, welcher sich den Menschen- und Grundrechten verpflichtet fühlt.
  • Der Umgang mit bettelnden Personen ist nicht zu trennen von der allgemeinen Armutspolitik. Die Ursachen von Armut müssen bekämpft werden, nicht die Armen! Statt BettlerInnen zu vertreiben, sollten die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, die Armut bedingen, auf lokaler und internationaler Ebene geändert werden.

Graz, im Juni 2012

Aktion gegen Bettelverbote der Bettellobby Wien

Seit 27. Februar 2012 behandelt der Verfassungsgerichtshof in Wien die
Verfassungsklagen gegen die Bettelverbote in Wien und Oberösterreich.
Die nächste Verhandlung zum oberösterreichischen Bettelverbot am
Freitag, den 9. März, wird öffentlich sein. Dazu organisiert die
Bettellobby Wien eine Aktion vor dem Verfassungsgerichtshof:

Seit 27. Februar 2012 behandelt der Verfassungsgerichtshof die Verfassungsklagen gegen die Bettelverbote in Wien und Oberösterreich. Eine Verhandlung zum oberösterreichischen Bettelverbot am Freitag, den 9. März, wird öffentlich sein und findet um 10:30 Uhr im Großen Verhandlungssaal, im VfGH, Judenplatz 11, 1010 Wien statt.

Die BettelLobby will diesen Anlass nutzen, um öffentlichkeitswirksam auf die Dimensionen der Problematik aufmerksam zu machen und unsere Forderung nach Abschaffung aller Bettelverbote zu unterstreichen.

Wir laden euch/Sie ein, möglichst zahlreich zu kommen und diese Aktion zu unterstützen. Wir wollen zeigen, dass das Betteln kein Thema von Einzelnen ist, sondern dass wir uns gemeinsam gegen die Kriminalisierung von BettlerInnen wehren und damit vehement gegen die stärker werdende Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen vor unserer Haustür auftreten.

Die Forderungen der BettelLobbyWien finden Sie/ ihr hier.

Wenn ihr/Sie also dieses Vorhaben unterstützen wollt/wollen, bitten wir euch/Sie

am 9.März um 9:30 Uhr  zum Judenplatz 

zu kommen und  ein Schild oder Transparent mit den Sprüchen

Ich will nicht betteln aber dürfen muss ich

und/oder

Armut bekämpfen, statt Betteln kriminalisieren

Auch Instrumente wie Trommeln oder auch eigene andere Aktionen sind willkommen. Wichtig ist, dass sich möglichst viele Menschen solidarisch zeigen, daher bitten wir euch /Sie, dieses Mail an möglichst viele potentielle UnterstützerInnen weiterzuleiten.

Da im Frühling auch die Rechtmäßigkeit der Bettelverbote in Wien, Kärnten, der Steiermark und Salzburg verhandelt werden, sehen wir diese Veranstaltung als Auftakt unserer Aktionen gegen Bettelverbote und hoffen auf breite Vernetzung und konzertierte Aktionen mit AktivistInnen aus den Bundesländern. Wir bitten Euch/Sie also um Rückmeldungen, Ideen und weitere Vernetzung!

 

Die BettelLobbyWien verteidigt das Grundrecht auf Betteln, sammelt Informationen über die Situation von BettlerInnen, kämpft gegen Polizei- und Behördenwillkür, gegen Vorurteile, falsche Medienberichte und rassistische Het

Kontakt: bettellobbywien@gmx.at

Presseanfragen: Ferdinand Koller 06507413000 und Marion Thuswald 0650-2579596

Webseite: Ulli Gladik 0650-5034340

https://bettellobbywien.wordpress.com/

Bettelverbot: Was die Stadtwache darf und was nicht

Das Bettelverbot und die Stadtwache

Die Kompetenzen der Stadtwache gehen eigentlich nicht über jene „normaler“ BürgerInnen hinaus. Sie dürfen ermahnen, anzeigen und bei einer Straftat ertappte Personen festhalten. Das Bettelverbot schafft aber eine neue Situation. Seit Juli 2011 ist „organisiertes“ und „aufdringliches“ Betteln in OÖ verboten. Die Stadtwache exekutiert dieses Gesetz. Für diesen einen Aufgabenbereich erweitern sich die Befugnisse des Ordnungsdienstes gravierend.

Grundsätzlich darf die Stadtwache in Fällen von „organisierter“ oder „aufdringlicher“ Bettelei nach dem OÖ. Polizeistrafgesetz:

  • Anhalten zur Feststellung der Identität einer Person
  • Ermahnungen aussprechen
  • Geld und Gegenstände beschlagnahmen
  • Festnehmen

Diese auf den ersten Blick umfassenden Befugnisse dürfen von den MitarbeiterInnen der Stadtwache jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden:

Ermahnungen können nur ausgesprochen werden, wenn eine geringfügige Verwaltungsübertretung bereits begangen wurde und die Ermahnung erforderlich ist, um den Beschuldigten von weiteren strafbaren Handlungen gleicher Art abzuhalten.

Beschlagnahme ist nur bei „Gefahr im Verzug“ und nur bei Gegenständen zulässig, für die gesetzlich der „Verfall“ als Strafe vorgesehen ist, also Geld und Gegenstände, die durch unerlaubte Bettelei erworben wurden. „Gefahr im Verzug“ ist nur dann gegeben, wenn für den Fall der Nichtbeschlagnahme die Fortsetzung der strafbaren Handlung wahrscheinlich ist. Oder wenn verhindert werden soll, dass Gegenstände, für die der Verfall als Strafe vorgesehen ist, dem Zugriff der Behörde entzogen werden sollen. Wenn überhaupt dürfen also nur das erbettelte Geld oder erbettelte Gegenstände beschlagnahmt werden. Über die beschlagnahmten Gegenstände ist dem Betroffenen sofort eine Bescheinigung auszustellen.

Eine Festnahme durch die Stadtwache ist nur dann zulässig, wenn

  • die Polizei nicht rasch genug einschreiten kann
  • jemand auf frischer Tat ertappt wird und unbekannt ist, sich nicht ausweist und seine Identität auch sonst nicht sofort feststellbar ist
  • wenn der Verdacht besteht, dass sich die Person der Strafverfolgung zu entziehen sucht oder trotz Abmahnung einfach mit der strafbaren Handlung weitermacht

Wer sich also ausweisen kann oder nach Abmahnung das „aufdringliche Betteln“ einstellt, kann nicht festgenommen werden.

Organstrafverfügungen darf die Stadtwache nicht ausstellen, da diese im Wirkungsbereich einer Bundespolizeidirektion (wie in Linz der Fall) nur von dieser selbst verhängt werden dürfen.

Ein Einschreiten im Rahmen des Bettelverbots bringt aber auch Pflichten mit sich:

  • Bedienstete des Ordnungsdienstes müssen Dienstabzeichen und Dienstausweis mit sich führen und auf Verlangen vorweisen. Ein Register mit Name, Dienstnummer, Dienstantrittsdatum und Befugnissen liegt beim Magistrat auf und ist für alle BürgerInnen einsehbar.

Darüber hinaus werden die MitarbeiterInnen der Stadtwache bei der Durchsetzung des Bettelverbots zu BeamtInnen im Sinne des Strafgesetzbuches. So gilt eine Körperverletzung an ihnen automatisch als „schwere Körperverletzung“. Sie unterliegen aber auch der Amtsverschwiegenheit und können wegen Amtsmissbrauch oder Geschenkannahme belangt werden. Außerdem sind sie verpflichtet das OÖ Antidiskriminierungsgesetz einzuhalten. Jedes diskriminierende Verhalten bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Orientierung wie z.B. abfällige Bemerkungen, Beschimpfungen, Gesten usw. sind von Seiten des Ordnungsdienstes zu unterlassen. Ansonsten kann gerichtlich auf Schadenersatz geklagt werden.

All diese Rechte und Pflichten gelten aber ausschließlich bei einem Einschreiten nach dem Bettelverbot, bei allen anderen Aufgaben haben die Bediensteten der Stadtwache nicht mehr Kompetenzen als „normale“ BürgerInnen auch.

Dieser Text wurde von Giro und Christopher Frank geschrieben.