Offener Brief an die Redaktion des BR zum Tatort „Klingelingeling“ vom 26.12.16 um 20:15 ARD

 

Offener Brief an die Redaktion des BR zum Tatort “Klingelingeling” vom  26.12.2016  um 20:15 in der ARD

Wir verurteilen die Diffamierung von bettelnden Menschen!

Sehr geehrte Frau Heckner, sehr geehrte Frau Golch, sehr geehrter Herr Mühlfellner,

AktivistInnen der Bettellobbies Österreich1 haben gestern wie fast 7 Millionen weitere Zuschauer den Tatort „Klingelingeling“ gesehen. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema Betteln in Österreich und stehen in direktem Kontakt zu vielen BettlerInnen. Wir unterstützen bettelnde Menschen in rechtlichen Belangen,  konkret beeinspruchen wir diverse Strafverfügungen (Allgemeinverfügungen) mit sehr guten Erfolgen, schreiben zum Teil die sogenannten Bettelschilder, begleiten die Menschen als Vertrauenspersonen zur Polizei oder zum Gericht und decken Behördenwillkür auf. Außerdem sammeln wir Informationen über die Situation der BettlerInnen, bereiten diese auf und geben sie in Workshops und Vorträgen weiter.
UND wir kämpfen gegen Vorurteile, falsche Medienberichte und rassistische Hetze. Letzteres veranlasst uns dazu, uns in einem offenen Brief an Sie zu wenden.
Im Tatort vom 26.12. wird geschätzt 20 mal das Wort Bettelmafia verwendet. Auch die gesamte Darstellung lässt keinen Zweifel daran, dass eine solche existiert bzw. legt  nahe, dass zumindest ein Großteil der Personen, die dem Betteln nachgehen, dies nicht aus freien Stücken tun und über Erbetteltes auch nicht persönlich verfügen dürfen.
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Die Anderen der Mozartstadt, BA-Arbeit von Danyal Maneka

<a href="https://www propecia pills 5mg.bettellobby.at/wp-content/uploads/sites/27/Osterputz.jpg“ rel=“lightbox[3413]“>Osterputz

Danyal Maneka untersucht in seiner politikwissenschaftlichen Arbeit die Rolle rassistischer Bedeutungskonstruktion im Salzburger Printmediendiskurs vor dem Beschluss des sektoralen Bettelverbots. Er legt damit eine lesenwerte Analyse medialer Strategien vor, die wesentlich zur repressiven Politik gegen Bettler_innen beiträgt. Betteln_Mediendiskurse_Salzburg2016_BAC arbeit

Nachgefragt: Sozialwissenschafter Heinz Schoibl zum sektoralen Bettelverbot in Salzburg und den Widerstand dagegen.

Heinz Schoibl ist freiberuflicher Sozialpsychologe aus Salzburg und hat mit der Studie „Notreisende und Bettel-MigrantInnen in Salzburg“ eine der ersten Untersuchungen zum Thema vorgelegt. Für das Projekt „Auf Augenhöhe“ hat er Notreisende in Salzburg portraitiert, wie hier zu sehen. Wir haben ihn zur aktuellen Lage in Salzburg befragt.

Seit Anfang Juni gibt es ein sektorales Bettelverbot in großen Teilen der Salzburger Innenstadt. Welche Formen von Betteln sind genau verboten?

HS: Im innerstädtischen Bereich rund um die Getreidegasse, die beiden zentralen Brücken und im Kommunalfriedhof gilt während der Geschäftszeiten ein dauerhaftes totales Bettelverbot, das auch das stille Betteln unter Strafe stellt. Temporäre Bettelverbote gibt es zudem für die Wochenmärkte am Mirabellplatz sowie am Gelände der Salzburg Mitte.

Wie wirkt sich das Verbot bislang auf die Lage der Armutsreisenden aus?

HS: Die Auswirkungen auf die bettelnden Notreisenden sind bis dato eher bescheiden und liegen eher auf der emotionalen Ebene der Verunsicherung, der Angst vor Vertreibung sowie dem Bewusstsein, dass sie nicht willkommen sind.

Wie viele Menschen sind davon betroffen und wo kommen sie her?

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Einrichtung eines Rechtshilfefonds für Notreisende in Salzburg

Gerschner_Bettellobby_1 (1)Trotz aller Einwände hat der Gemeinderat in Salzburg die Verordnungsermächtigung des Landessicherheitsgesetzes genützt und ein sektorales Bettelverbot über Teile der Innenstadt zu verhängt.
Bereits kurz vor dem Gemeinderatsbeschluss hat der Runde Tisch Menschrechte die Einrichtung eines Rechtshilfefonds zur Gewährleistung rechtlicher Vertretung von Notreisenden öffentlich bekannt gegeben.

Aufgrund der hohen Zahl an Strafbescheiden welche die Polizei Salzburg gegen ArmutsmigrantInnen ab dem Frühjahr 2014 erlassen hatte, veranlasste die Plattform für Menschenrechte eine Analyse der Rechtslage und unterstützte Berufungen gegen diese Strafbescheide, um Präzedenzfälle zu schaffen.

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Auf Augenhöhe – Videoporträts von bettelnden Menschen in Salzburg

Videoportät HelixHat ein Hochwasser schon mal euer ganzes Hab und Gut weggeschwemmt und ihr standet auf der Straße? War euer Haus schon mal so einsturzgefährdet, dass ihr nicht mehr darin leben konntet? In so einer Situation ist man vor allem auf eines angewiesen, auf Hilfe. Nicht in jedem Land ist die staatliche Unterstützung gegeben und so sind viele Menschen gezwungen sich anderswo durchzuschlagen, um irgendwie zu überleben.

So auch die Notreisenden, die zu einem großen Teil aus Rumänien nach Salzburg kommen. Viele Gerüchte von wegen, das seien doch alles nur kriminelle Banden, die zum organisierten Betteln in die Wohlstandsregionen Europas kommen, sind nicht belegt. „Auf Augenhöhe“ zeigt die realen Geschichten von acht Notreisenden als Videoporträts Weiterlesen