Geplantes Schlafverbot in Innsbrucks Straßen: Armutsbetroffene werden weiter aus Innenstadt verdrängt

Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit und Armut müssen bekämpft statt bestraft werden

Auf die Tatsache, dass immer mehr Menschen in Tirol kein Dach über dem Kopf haben, will nun die Innsbrucker Stadtpolitik neben der Schaffung einer ganzjährigen Notschlafstelle mit einem Verbot reagieren. Menschen, die die Nächte auf der Straße verbringen, sollen in Zukunft per Verordnung dafür bestraft werden können.

Dies fügt sich ein in eine Reihe von Maßnahmen wie dem Bettel- und Alkoholverbot, verstärkten Säuberungsaktionen, die darauf abzielen, armutsbetroffene Menschen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen und aus dem Blickfeld der Gesellschaft zu verbannen. Das Schlafverbot auf den Straßen der Innsbrucker Innenstadt ist unserer Meinung nach ein weiteres Zeichen einer Politik, die unter dem Druck der Geschäftsleute zunehmend auf dem Rücken von sozial Schwächeren ausgetragen wird und das gesellschaftspolitische Klima verschärft.

Weiterlesen

Bettellobby Tirol: „Diffamierung notreisender Menschen muss ein Ende haben“

Medieninformation

Als herabwürdigend und inakzeptabel kritisiert die Bettellobby Tirol die jüngsten Aussagen von ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf in Zusammenhang mit der Räumung eines Lagers notreisender Menschen in Inzing.

Dieser hat in einer Medieninformation die betroffenen Menschen  als „organisierte Bettelbanden“ bezeichnet, die den Rechtsstaat ad absurdum führen würden und ihnen illegale Machenschaften vorgeworfen. Wolf fordert deshalb eine härtere Gangart und dazu auf, „alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den rumänischen Banden den Aufenthalt in Tirol so unangenehm wie möglich zu machen.“ Weiterlesen

Bettelverbote und die Macht der sorglos ausgesprochenen Worte

Ein Gastkommentar von Lisa Gensluckner, Initiative Minderheiten Tirol

Im Jahr 2012 wurde in einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes eindeutig festgehalten, dass „stilles Betteln“ in Österreich erlaubt sein muss. Es fällt unter das für eine Demokratie zentrale Recht auf freie Meinungsäußerung, wenn jemand mitteilt, dass er/sie sich in einer Notlage befindet und auf Hilfe angewiesen ist. Weiterlesen

Ein weiteres Armutszeugnis für die Stadt Innsbruck

Im Umgang mit bettelnden Menschen setzt die Stadt Innsbruck einmal mehr auf restriktive Maßnahmen. Die geplanten Maßnahmen entbehren jeglicher sachlicher Grundlage.

Die von Innsbrucks Bürgermeisterin geplanten Maßnahmen im Umgang mit bettelnden Menschen wie die Ausweitung der Befugnisse der Mobilen Überwachungsgruppe MÜG oder des temporären Bettelverbotes in der Innenstadt stellen für die Bettellobby Tirol einen weiteren Schritt in die falsche Richtung dar: „Anstatt sich der sozialen Herausforderung zu stellen, setzt die Stadt Innsbruck vermehrt auf Kontrolle, Überwachung, Bestrafung und Vertreibung. Einmal mehr wird sichtbar, dass es vorrangig darum geht, Politik auf dem Rücken der Schwächsten zu machen und Armut aus dem Blickfeld der Gesellschaft zu verbannen.“ Weiterlesen

Nachgefragt: Elisabeth Hussl zur Lage der Notreisenden in Tirol

_MG_0973Elisabeth Hussl ist Aktivistin der Bettellobby Tirol und setzt sich für die Rechte von Notreisenden ein. Wir haben sie zur aktuellen Lage in Tirol befragt.

Im November 2013 hat die Tiroler Landesregierung das generelle Bettelverbot abgeschafft. Wie ist die gesetzliche Lage in Tirol heute?
 
Das sogenannte stille Betteln ist nun grundsätzlich erlaubt, praktisch aber nur schwer möglich, denn die Verbote gehen sehr weit. Verboten sind sogenanntes aufdringliches und aggressives Betteln sowie gewerbsmäßiges und organisiertes Betteln. Auch Betteln unter aktiver Mitwirkung von Kindern bis zum 14. Geburtstag ist strafbar. Der Strafrahmen beläuft sich auf bis zu 5.000 Euro oder zwei Wochen Ersatzfreiheitsstrafe.

Wo halten sich Notreisende in Tirol vor allem auf?
Weiterlesen

Sozialpolitischer Filmabend: NATASHA

08033117484837Mittwoch, 16. März 2016, 19 Uhr
Haus der Begegnung, Rennweg 12, Innsbruck

Einen beeindruckenden Einblick in das Leben einer Grazer Bettlerin bietet Ulli Gladik in ihrem Dokumentarfilm „Natasha“. Sie begleitet die junge Frau nicht nur in ihrem Alltag in Graz, sondern auch in der bulgarischen Heimat, wo ihre von Arbeitslosigkeit und Armut gezeichnete und doch so lebensfreudige Familie lebt. „Natasha“ ist ein Plädoyer dafür, hinter der „Figur“ der Bettlerin auch den Menschen zu sehen. (Österreich 2008 – Regie: Ulli Gladik – 84 Min. – bulgarisch mit deutschen oder englischen Untertiteln)

Im Anschluss an den Film gibt es eine Gesprächsrunde mit Mag.a Elisabeth HUSSL von der Bettellobby Tirol und Dr. Helmut GAISBAUER vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung, Salzburg. Weiterlesen

Filmvorführungen mit Diskussion: Betteln. Menschen. Rechte.

BMR_poster6

AKTUELLE VERANSTALTUNGEN:

Freitag, 19.5.2016, 20 Uhr, Altes Kino Landeck, Malserstraße 54
Mittwoch, 21.9.2016, 19:30 Uhr,  Schulhausplatz 2, Stadtbücherei Landeck
Freitag, 17.6.2016, 16:30 Uhr, B4, Bahnhofstraße 4, Zirl, im Rahmen der Veranstaltung: ZivilcourAGE – (k)eine Frage des Alters
Dienstag, 8.3.2016, 19:30 Uhr, ARCHE NOE, Münchnerstraße 1, Kufstein
Mittwoch, 9.12.2015, 19:30 Uhr, 10er Saal, Kirchgasse 10, 6401 Inzing
Donnerstag, 3.12.2015, 19:30 Uhr, Haus der Begegnung, Rennweg 12, 6020 Innsbruck
PREMIERE: Dienstag, 10.11.2015, 18:00 Uhr, Leokino, Anichstraße 36, 6020 Innsbruck

Betteln ist in Österreich grundsätzlich erlaubt. Wenn jemand in der Öffentlichkeit auf die eigene Not hinweist und um Unterstützung bittet, fällt dies unter das Recht auf freie Meinungsäußerung. Trotzdem werden Bettelverbote gefordert, in der politisch-medialen Öffentlichkeit ist immer wieder von „Bettlerbanden“, „Bettelmafia“ oder Belästigung zu hören. Doch was wissen wir eigentlich über bettelnde Menschen und über ihre Lebenssituation? Der Film „Betteln. Menschen. Rechte“ der Initiative Minderheiten Tirol gibt einen Einblick in Lebensbedingungen, Sichtweisen und Perspektiven bettelnder Menschen – ein Film, der jenen Menschen eine Stimme gibt, die selten gehört werden und so gut wie nie in der politisch-medialen Öffentlichkeit zu Wort kommen. Weiterlesen

Kurzfilm Betteln. Menschen. Rechte

Foto: Monika Zanolin

Jetzt auch online: Der Film „Betteln. Menschen. Rechte“ der Initiative Minderheiten Tirol gibt einen Einblick in Lebensbedingungen, Sichtweisen und Perspektiven bettelnder Menschen – ein Film, der jenen Menschen eine Stimme gibt, die selten gehört werden und so gut wie nie in der politisch-medialen Öffentlichkeit zu Wort kommen.

(AT 2015, OmU, 21 Min., Regie: Monika K. Zanolin)

Hier steht der Film in zwei Versionen zur Verfügung: Als mehrsprachige Originalversion mit Untertiteln sowie als Version mit Voice Over ohne Untertitel.

Betteln ist erlaubt! Ratgeber für bettelnde Menschen und UnterstützerInnen in Tirol

„Betteln ist erlaubt! Rechte – Informationen – Unterstützung“ heißt ein Ratgeber für bettelnde Menschen und UnterstützerInnen, den die Bettellobby Tirol, der Verein für Obdachlose, die Initiative Minderheiten Tirol und FREIRAD, das Freie Radio Innsbruck der Öffentlichkeit präsentieren. Der neue Ratgeber liegt in sechs Sprachen vor, in deutsch, englisch, rumänisch, ungarisch, bulgarisch und slowakisch. Die Broschüre informiert über Rechte von bettelnden Menschen, über das, was erlaubt ist und was verboten ist, über konkrete Hilfsangebote und Anlaufstellen in Innsbruck, veranschaulicht mit einem Stadtplan.

Zum Ratgeber geht es hier  Weiterlesen