Nachgefragt: Caritas-Mitarbeiterin Michaela Haunold zur Lage der Armutsreisenden in Linz

Michaela Haunold beschäftigt sich seit mehreren Jahren beruflich mit dem Thema Wohnungslosigkeit. Derzeit leitet sie in der Caritas für Menschen in Not die Einrichtungen im Bereich der Armutsmigration. Eine Zielgruppe sind auch BettlerInnen. Wir haben sie zur aktuellen Lage in Linz befragt.

Wie viele Notreisende befinden sich zur Zeit in Linz?

MH: Die Zahl der ArmutsmigrantInnen ändert sich laufend, daher ist es schwer, hier eine genaue Zahl zu nennen. Wir können die Zahlen der Kontaktstelle für ArmutsmigrantInnen nennen – dort hatten wir im Laufe des letzten Jahres mit rund 220 unterschiedlichen Personen Kontakt. Einige Personen sind schon seit mehr als zehn Jahren in Linz und leben seither hier auf der Straße, da sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen oder Unterstützungsmöglichkeiten haben.

Woher kommen diese Menschen?

MH: Der Großteil der Menschen kommt aus osteuropäischen Ländern. Derzeit sind viele Menschen aus Rumänien hier, aber auch Tschechen, Polen, Slowaken, Ungarn,…

Welcher Beschäftigung gehen sie hier nach?

MH: Es kommt niemand nach Linz, um hier zu betteln. Die Menschen hoffen, hier durch Arbeit genügend Geld zu verdienen, um sich das Leben daheim für sich und ihre Familie leisten zu können. Aufgrund der teilweise nicht vorhandenen Schulbildung bzw. der schlechten Deutschkenntnisse ist ein Zugang zum Arbeitsmarkt sehr schwierig, daher sehen viele das Betteln als einzigen Ausweg, um Geld verdienen zu können. Es gibt immer wieder auch Menschen, die in der Schwarzarbeit bzw. in der Prostitution tätig sind.

Wo verbringen die Notreisenden in Linz die Nacht?

MH: Sie schlafen hauptsächlich im Freien, das heißt in Zelten, in Parks, im Wald usw. Teilweise beziehen sie auch leerstehende Häuser bzw. Abbruchhäuser. Nur ein kleiner Teil der Personen schafft es, eine Wohnung zu bekommen.

Wie wirkt sich die Verschärfung des Bettelverbots vom vergangen Jahr aus?

MH: Bei unseren KlientInnen herrscht große Verunsicherung deswegen. Sie haben mitbekommen, dass es ein neues Gesetz gibt, aber sie wissen nicht genau, was das für sie bedeutet und was sie jetzt noch machen dürfen. Hier versuchen wir, soweit es uns möglich ist, ihnen das Gesetz zu erklären.

Wie hilft die Caritas noch?

MH: Unser Hauptangebot ist die Kontaktstelle für ArmutsmigrantInnen – hier gibt es Beratung und Information unter anderem auch auf Ungarisch, Rumänisch und Slowakisch. Wir unterstützen bei der Arbeitssuche, informieren bei rechtlichen Fragen und klären auch die Perspektive der Personen ab, die in Linz bleiben wollen. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit einer medizinischen Versorgung im Rahmen des Help-Mobils und die Kinderbetreuungseinrichtung „Fürs Leben Lernen“, damit den Kindern eine Alternative zum Aufenthaltsort Straße geboten werden kann.

Danke für das Gespräch!

 

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