Innsbrucker Gemeinderat erhält Spenden zur Herzensbildung

Unter dem Motto „ZUR BESINNUNG KOMMEN“ überbringen Botinnen heute, rechtzeitig zur Gemeinderatssitzung, Wortspenden an 26 der amtierenden GemeinderätInnen. Die Botinnen überbringen diese Spenden stellvertretend für viele Personen, die in Bettelverboten ein Armutszeugnis für die Stadt Innsbruck sehen.

Die Bettellobby Tirol hatte zu österlichen Wortspenden aufgerufen und schriftliche Statements gesammelt sowie PassantInnen am Ostermarkt eingeladen, ihre Stimme zu erheben:

…für Empathie und soziale Kompetenz der PolitikerInnen und Wirtschaftstreibenden
…für weniger Angst(mache) und mehr soziales Gewissen
…für Menschlichkeit statt Konsumlobbyismus

Wir möchten damit einen Beitrag zur Herzensbildung all jener PolitikerInnen leisten, welche am 19.3.2015 im Innsbrucker Gemeinderat unter dem Druck von Wirtschaftstreibenden für ein Bettelverbot bei „Gelegenheitsmärkten“ gestimmt haben.

26 der erhaltenen Wortspenden haben wir persönlich ausgewählt, um sie den PolitikerInnen, die diese Verordnung verantworten müssen, persönlich zu widmen und auf Postkarten zu überbringen.

Zu den 26 Wortspenden geht es hier

Botinnen überbringen Wortspenden ins Innsbrucker Rathaus

Botinnen überbringen Wortspenden ins Innsbrucker Rathaus

Mit Entsetzen beobachten die Bettellobby Tirol und viele andere MitbürgerInnen, dass Innsbruck zunehmend zu einer Stadt der Verbote wird: Eine Stadt, in der Menschen, die nicht in das „schicke“ Stadtbild passen, verdrängt werden. Eine Stadt, in der Personen aufgrund von Armut zum Störfaktor und Missstand erklärt werden. Eine Stadt, in der Grund- und Menschenrechte nicht besonders ernst genommen werden. Eine Stadt, in der der öffentliche Raum zunehmend zu einer „Schutzzone“ für privilegierte Konsum- und Kaufkräftige wird. Eine Stadt, in der sogar ums Betteln gebettelt werden muss.

Die Bettellobby widmet diese Wortspende von Philipp Sperner speziell an Sie, Frau Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer:

Dieses Gesetz ist der traurige Tiefpunkt der menschenverachtenden Vertreibungspolitik der letzten Jahre.

Mehr Solidarität mit denen, die die Auswirkungen der globalen wie auch lokalen Ungleichheiten am meisten zu spüren bekommen, ist zu Zeiten, in denen diese Ungleichheiten größer denn je sind, umso wichtiger. Das neu beschlossene Gesetz, das bettelnden Menschen die Benützung des uns allen gehörenden öffentlichen Raumes verbietet, zeugt allerdings nicht nur von fehlender Solidarität, sondern – was vielleicht noch schlimmer ist – auch von einem völlig verfehlten Verständnis von Öffentlichkeit. Die bloße Anwesenheit bestimmter Menschen als Missstand zu bezeichnen und den Zugang zu öffentlichem Raum von der finanziellen Situation oder sozialen Lage einer Person abhängig zu machen ist Ausdruck einer menschenverachtenden Haltung, die ich weder in Innsbruck noch irgendwo sonst als Mehrheitsmeinung für möglich gehalten habe.

Fotos: Michael Haupt

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