Falschparken kostet 36 Euro, Falschsitzen kostet 140 Euro. Wenn Schwarzkappler auf Bettlerjagd gehen.

DSC00188Angela ist Sängerin. Viele kennen sie, oder jedenfalls ihre Stimme. Sie und ihre Schwester sitzen oft in einer der Stationen entlang der U6 und singen. Als ich sie heute traf  – sie saß zusammengekauert am Rand des Aufgangs  – und ein paar Worte mit ihr wechselte, kamen eine Dame und ein Herr in zivil und forderten sie forsch auf, ihren Ausweis zu zeigen.  „Sie müssen mit uns mitkommen“, sagt der Herr.  Erst auf mein vehementes Fragen, wo es überhaupt hingehen soll, erfuhren wir, dass Angela zum Westbahnhof mitkommen musste. Ich bestand darauf, ebenfalls mitzukommen. Die Wiener Linien Mitarbeiter telefonierten während der Fahrt . Wir fuhren zum Westbahnhof. Angela musste dort mit den beiden in einen Raum mit der Aufschrift „Kontrollbezirk“ gehen. Weiterlesen

Kritische Literaturtage: Buchpräsentation „Betteln in Wien. Fakten und Analysen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen“

Buchpräsentation am 26.10. um 13:30 im Cafe Club International am Yppenplatz 14 in Ottakring

Das Buch ist ein Sammelband mit Beiträgen von 10 AutorInnen, die das Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht haben.
Mit dabei sind Marion Thuswald (Bildungswissenschaftlerin), Ronald Frühwirth (Jurist) und Ferdinand Koller (Herausgeber).
Das Buch kann zum Autorenpreis von 12 Euro bei der Präsentation erworben werden – oder bestellt werden:  ferdinandkoller(at)hotmail.com

„urbanes lernen“ – Bildung und Intervention im öffentlichen Raum

In dem eben erschienen Buch  „urbanes lernen – Bildung und Intervention im öffentlichen Raum“ herausgegeben von Marion Thuswald finden sich unter anderem auch zwei Artikel zum Thema Betteln. Das Buch wird am 10.11.2010 um 19.15 im Rahmen einer Veranstaltung am Institut für das künstlerische Lehramt, 7., Karl-Schweighofer-Gasse 3 präsentiert.

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Protestbrief eines Gewerbetreibenden an die Wirtschaftskammer

Walter Meissl, Gewerbetreibender und damit Mitglied der Wirtschaftskammer Wien, reagierte prompt auf die Kampagne seiner „Interessensvertretung“.

Foto: Zeitung der Wirtschaftskammer

sehr verehrter herr thomas bohuslav,

als ich gestern meine post öffnete, glaubte ich meinen augen nicht zu trauen. in ihrem brief fordern sie alle unternehmerinnen und unternehmer, also auch mich dazu auf, einen aktiven beitrag gegen sogenanntes gewerbsmäßiges betteln zu leisten, indem ich zwei beigefügte plakate gut sichtbar in meinem geschäftslokal anbringen sollte. auf diesem plakat wird dazu aufgefordert „gut gemeinte spenden vor supermärkten und in einkaufsstraßen“ zu unterlassen, da sie anscheindend gewerbsmäßges betteln fördern. Weiterlesen

Betteln als Frauenarbeit?


Zur Situation von Pendelbettlerinnen in Wien

Beitrag von Marion Thuswald (Konferenz Betteln in Wien auf der theologischen Fakultät Wien)

„Es gehört zu den Leiden an der modernen Gesellschaft, dass sie die unantastbare Würde der Person rechtlich zusichert, die soziale Basis für eine respektable Lebenspraxis jedoch für große Gruppen in Frage stellt.“[1]

Im Wien des 21. Jahrhunderts nützen unterschiedliche Menschen den öffentlichen Raum um zu betteln, Junge und Alte; Männer, Frauen und Kinder; Menschen mit österreichischer StaatsbürgerInnenschaft und Menschen anderer Herkunftsländer. Die öffentlichen Debatten um das Betteln und die bettelnden Menschen sind von Stereotypisierungen geprägt, die auch geschlechtlich konnotiert sind. Im Folgenden wird zuerst auf die Bettel-Stereotypen eingegangen, anschließend die Ergebnisse einer Forschung zu Bettlerinnen in Wien vorgestellt.

Bettel-Stereotypen

„Die homogenisierende Darstellung der Anderen […] verschleiert individuelle Differenzen, macht sie unsichtbar. Die nicht explizit dargestellte Botschaft ist: Sie sind alle gleich. Sie sind viele.“[2], oder um es in den Worten von Stuart Hall zu formulieren: „Das Stereotypisieren ist eine Repräsentationsform, die gesellschaftlich produzierte Differenzen reduziert, essentialisiert, naturalisiert und festschreibt.“[3] Weiterlesen

„Natasha“ anlässlich des Internationalen Tags der Roma und Sinti im Schikanederkino

7.4. ab 18 Uhr 30 im Schikanederkino

18:30  NATASHA (Ulli Gladik, A/BG 2008) > 7/6€   20:15  PRETTY DYANA (Boris Mitic, SRB 2003) > 5€ 
  21:30  ANGEL’S CLUB (Tamara Peshterska, BG 2009) > 5€   ab 22  djs laura-bruno

Ulli Gladik – A/BG 2008, OmU, Beta SP, 84 min.

Natasha lebt in einer kleinen Stadt in der Nähe von Sofia/Bulgarien. Um ihre Familie zu ernähren, fährt sie seit drei Jahren mehrmals jährlich nach Österreich um zu betteln. Ulli Gladik, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion, begleitete Natasha und ihre Familie über einen Zeitraum von fast zwei Jahren. Der Film zeigt Natashas Alltag als Bettlerin in Österreich und die Lebensumstände in ihrer Heimat.

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