Protest gegen sektorales Bettelverbot in Wiener Neustadt

In Wiener Neustadt soll nun ein sektorales Bettelverbot eingeführt werden. Wie immer, wenn es um neue Bettelverbote geht, werden BettlerInnen als „Bettelbanden“ bezeichnet und man versucht ein möglichst negatives Bild zu zeichnen. Um das Vorgehen gegen sie auch noch moralisch zu rechtfertigen wird argumentiert, dass mit dem Verbot „Bettelnde geschützt werden sollen“… Die Katholische Aktion hat nun einen Offenen Brief verfasst, der von vielen Menschen unterstützt wird: http://www.ka-wien.at/…/gesellschaftsenga…/article/1776.html

Und hier gibt es einen Blog der Katholischen Aktion zum Thema Betteln: http://ka-wien.at/betteln

Offener Brief an die Redaktion des BR zum Tatort „Klingelingeling“ vom 26.12.16 um 20:15 ARD

 

Offener Brief an die Redaktion des BR zum Tatort “Klingelingeling” vom  26.12.2016  um 20:15 in der ARD

Wir verurteilen die Diffamierung von bettelnden Menschen!

Sehr geehrte Frau Heckner, sehr geehrte Frau Golch, sehr geehrter Herr Mühlfellner,

AktivistInnen der Bettellobbies Österreich1 haben gestern wie fast 7 Millionen weitere Zuschauer den Tatort „Klingelingeling“ gesehen. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema Betteln in Österreich und stehen in direktem Kontakt zu vielen BettlerInnen. Wir unterstützen bettelnde Menschen in rechtlichen Belangen,  konkret beeinspruchen wir diverse Strafverfügungen (Allgemeinverfügungen) mit sehr guten Erfolgen, schreiben zum Teil die sogenannten Bettelschilder, begleiten die Menschen als Vertrauenspersonen zur Polizei oder zum Gericht und decken Behördenwillkür auf. Außerdem sammeln wir Informationen über die Situation der BettlerInnen, bereiten diese auf und geben sie in Workshops und Vorträgen weiter.
UND wir kämpfen gegen Vorurteile, falsche Medienberichte und rassistische Hetze. Letzteres veranlasst uns dazu, uns in einem offenen Brief an Sie zu wenden.
Im Tatort vom 26.12. wird geschätzt 20 mal das Wort Bettelmafia verwendet. Auch die gesamte Darstellung lässt keinen Zweifel daran, dass eine solche existiert bzw. legt  nahe, dass zumindest ein Großteil der Personen, die dem Betteln nachgehen, dies nicht aus freien Stücken tun und über Erbetteltes auch nicht persönlich verfügen dürfen.
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4-year old Romani child taken into state care – a report /Bericht einer Kindesabnahme in Wien

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in deutscher Sprache: https://bettellobbywien.wordpress.com/2014/09/17/vierjahrige-enkeltochter-im-heim-bericht-einer-kindesabnahme/

It has a painful and centuries-long tradition that Romani children are taken away from their families. One weekend in September in Vienna (AT), a four-year old girl was taken away from her grandmother. The grandmother was begging on the street. The little girl was kept in state care for two days, in an institution where nobody spoke her mother tongue. By coincidence, Ulli Gladik, who speaks Bulgarian, witnessed the incident and reports:

Friday afternoon, a beggar – we ́ve known each other for quite a while – took me to a crying Bulgarian woman. The woman could barely speak; she was shaken about what had happened to her. Her brother-in-law told me about the incident: the woman, let’s call her Ms. Kostova, was begging in the afternoon, with her granddaughter sitting on her lap. The police took both to a police station where the child was taken away from her. Ms. Kostova was sent away without providing her with any information about what would happen to her 4-year old grandchild. There was no interpreter on site, who could have explained the further proceedings to Ms. Kostova. There was no one to calm down the little girl. Weiterlesen

Vierjährige Enkeltochter im Heim – Bericht einer Kindesabnahme

logo-mag11Dass Romafamilien ihre Kinder weggenommen werden, hat eine jahrhundertelange, schmerzhafte Tradition. In Wien wurde am Wochenende einer Bettlerin ihre vierjährige Enkeltochter weggenommen. Die Kleine musste zwei Tage in einem Heim verbringen, dort konnte niemand ihre Muttersprache. Ulli Gladik, die zufällig Zeugin wurde, berichtet: 

Freitagnachmittag werde ich von einer Bettlerin, die ich schon länger kenne, zu einer heulenden Bulgarin geführt. Die Frau kann kaum sprechen, so aufgeregt ist sie. Ihr Schwager erklärt mir, was passiert ist: Die Frau, nennen wir sie Frau Kostova, hatte am Nachmittag mit ihrer Enkeltochter am Schoß gebettelt. Sie wurde von der Polizei auf die Polizeistation mitgenommen, wo ihr dann das Kind weggenommen wurde. Sie wurde weggeschickt, ohne zu erfahren, was mit der 4jährigen Enkelin passiert. Es war keinE DolmetscherIn vor Ort, die hätte helfen können, der Frau Kostova weitere Vorgehensweisen zu erklären. Niemand, der das kleine Mädchen hätte beruhigen können. Weiterlesen

Ein klares NEIN zur Kriminalisierung von BettlerInnen

IMGA0337Von 12.5. bis 14.5.2014 fand in Salzburg die Tagung ‚Betteln. Eine Herausforderung‘ statt. 370 Teilnehmer_innen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen – von Sozialarbeiter_innen und Forscher_innen über Personen aus Polizei und Politik bis zu Vertreter_innen von Geschäftsleuten, Roma-Vereinen und Menschenrechtsorganisationen – setzen sich differenziert mit dem Betteln auseinander; etwa mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen, die Menschen Betteln als Überlebensstrategie ergreifen lassen, über Mythen und Forschungsergebnisse, über die rechtliche Situation, über Unterstützungsmöglichkeiten für nichtanspruchsberechtigte Armutsbetroffene. Nicht nur Expert_innen aus unterschiedlichen Bereichen waren miteinander im Gespräch. Auch bettelnden Menschen waren zur Tagung eingeladen worden und erzählten von ihrer Situation – für viele Teilnehmer_innen ein sehr wichtiger Programmpunkt.

Angesichts dieser breiten und differenzierten Auseinandersetzung auf der Tagung ist die momentane mediale Diskussion um „organisiertes“ Betteln umso bedauerlicher. Ausgelöst wurde sie durch die Aussagen von Herrn Oberst Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung des Menschenhandels im Bundeskriminalamt. Weiterlesen

Offener Brief an die Innenministerin von Evamarie Kallir

An Frau
Innenministerin Dr. Johanna Mikl-Leitner
Bundesministerium für Inneres
Herrengasse 7
1010 Wien

Sehr geehrte Frau Innenministerin

In Ihren Interviews wiederholen Sie oft, was schon Ihre Vorgängerin immer wieder sagte: „Recht muss Recht bleiben“. Diese Aussage lässt bei mir alle Alarmglocken läuten. Denn, anders als die meisten heute Lebenden, habe ich noch die NS Schreckensherrschaft erlebt, die weitgehend genau auf diesem Prinzip aufgebaut war: Man musste nur die entsprechenden Gesetze machen, dann ist alles „rechtens“. Weiterlesen

Protestbrief der BettelLobbyWien gegen die BettlerInnenhetzkampagne der Wirtschaftskammer

In den Wiener Geschäften sollen, so der Wunsch der Wirtschaftskammer, Plakate hängen, worauf KundInnen aufgefordert werden, BettlerInnen kein Geld zu geben. Der „Wirtschaftsstandort Wien,“ das „sichere Miteinander“ und unsere  „Lebensqualität“ sollen dadurch geschützt werden, argumentiert die Kammer in ihrem Begleitbrief. (Die BettelLobby informierte).

Die  BettelLobbyWien startet nun eine Protestkampagne gegen diesen Fehltritt von Kammer, Polizei und Stadt Wien!

Bitte um Unterstützung! Protestbrief kopieren, adaptieren, selbst verfassen… und an folgende Adressen senden: Weiterlesen

Mail der BettelLobbyWien an die Wiener Landtagsabgeordneten zur geplanten Gesetzesänderung

Sehr geehrte Frau Landtagsabgeordnete,

Sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter,

mit Befremden haben wir den Initiativantrag der Landtagsabgeordneten der SPÖ zur Änderung des Wiener Landes-Sicherheitsgesetzes gelesen.

Wir – die BettelLobbyWien – beschäftigen uns seit mehreren Jahren aktiv mit dem Thema Betteln. Aufgrund unseres Wissens und unserer Forschungsergebnisse müssen wir daher folgendes anmerken:

Die vorgeschlagene Umsetzung des Verbotes des gewerbsmäßigen Bettelns würde in der Praxis bedeuten, dass alle BettlerInnen in Wien bestraft werden können. Weiterlesen

Protestmail gegen die Verschärfung des Wr. Landessicherheitsgesetzes

Bitte beteiligt euch an der Protestaktion und sendet Mails an die Antragstellerinnen:

nurten.yilmaz@spoe.at, silvia.rubik@aon.atbarbara.novak@spw.at,

 martina.ludwig@spoe.at, nicole.krotsch@spw.at

Sehr geehrte Frau Landtagsabgeordnete,

 mit Befremden habe ich Ihren Initiativantrag zur Änderung des WLSG gelesen und möchte folgendes festhalten:

 Ein Verbot des gewerbsmäßigen Bettelns würde in der Praxis bedeuten, dass alle BettlerInnen in Wien bestraft werden können. Die Europäische Menschenrechtskonvention schützt in Artikel 8 das Recht auf eine freie Gestaltung der Lebensführung. Eine unbegründete Einschränkung des Bettelns verletzt dieses Recht. Diese Ansicht teilen sowohl juristische Untersuchungen als auch die Begründung des VGH Baden-Württemberg zur Aufhebung eines Bettelverbotes in Stuttgart. Weiterlesen