Sehr geehrter Herr BZÖ-Landesobmann Tscharnutter!

To: michael.tscharnutter@bzoe.at  Cc: redaktion@heute.at

 Wir – die BettelLobbyWien – haben mit großer Sorge und Verwunderung Ihre Forderung nach „Mariahilfer-Straßen-Cops“ in der Gratiszeitung „Heute“ vom 5.7.2009 gelesen.

Irritiert sind wir nicht nur über Ihre Diktion, die Menschen am Rande unserer Gesellschaft kriminalisiert, verleumdet und diskriminiert, sondern auch über die Vermischung bzgl. Gleichsetzung von Menschen, mit völlig unterschiedlichen Lebensproblematiken.

Als BettelLobbyWien möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, das BettlerInnen, die großteils aus Osteuropa zu uns – in eines der reichsten Länder der Welt – kommen, dies aufgrund ihrer völlig aussichtslosen wirtschaftlichen Lage tun und sich ihr Schicksal weder ausgesucht noch gewünscht haben. Diese Menschen, die von enormer Armut betroffen sind, im gleichen Atemzug mit „Zettelverteilern“ etc. zu erwähnen, finden wir extrem menschenverachtend und zynisch.

Was tun den diese Menschen? Jean Paul formulierte, dass „der Held wohl seine Narben zeigt, aber nur der Bettler seine Wunden!“. Diese Menschen machen Eigenwerbung für sich und machen auf ein gesellschaftliches Phänomen aufmerksam. Sie lassen uns teilhaben an einem Leben, das nicht immer sehr gradlinig verlaufen ist und versuchen mit dem erbettelnden – und damit schwer verdienten – Geld sich und ihrer Familie das Überleben, den Erhalt der Wohnung im Heimatland und den Schulbesuch ihrer Kinder zu ermöglichen – unter dem Motto: Ich will nicht betteln, aber dürfen muss ich!

Wir fordern daher Sie und Ihre Partei auf, bettelnde Menschen aber auch andere gesellschaftliche Randgruppen als sozial- und nicht als sicherheitspolitische Herausforderung anzusehen!

Gerne sind wir auch zu einem Austausch mit Ihnen und Ihren ParteikollegInnen bereit, um die weit verbreiteten Vorurteile zu entkräften und Ihnen die Sicht von Seite der Betroffenen, zu denen wir auch persönliche Kontakte haben, zu unterbreiten. Es wäre auch möglich eine eigene Filmvorführung des Dokumentarfilms „Natasha“ von Ulli Gladik (www.natasha-der-film.at) zu organisieren.

Wir sehen einer Vernetzung im Sinne der betroffenen Menschen hoffnungsvoll entgegen!

 Mag.Elisabeth Fröhlich

für die BettelLobbyWien

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bettellobbywien@live.at

 

https://bettellobbywien.wordpress.com/

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